VdA-Statement: Milliarden ohne Garantie

VdA-Statement: Milliarden ohne Garantie

Milliarden ohne Garantie. Die „Selbstverpflichtung“ von BKM und Branche setzt die Zukunft kreativer Berufe aufs Spiel: Ulrich Meinhard, Vorstandsvorsitzender des VdA, zur Ankündigung von Dr. Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, „Summen in Milliardenhöhe von den weltweiten Konzernen in die deutsche Filmproduktion fließen“ zu lassen.

„Der Verband der Agenturen (VdA) äußert sich mit großer Sorge zur vom Beauftragten für Kultur und Medien angekündigten Selbstverpflichtung von Sendern und Streamingdiensten. Die nun präsentierte Lösung nimmt für sich in Anspruch, Investitionen in Milliardenhöhe auszulösen, bleibt aber ohne jede rechtliche Verbindlichkeit und gefährdet damit aus Sicht des VdA den Film und Produktionsstandort Deutschland sowie insbesondere die kreative Infrastruktur und künstlerische Beschäftigungssituation unserer Klientinnen und Klienten. Die aktuelle Ankündigung erzeugt lediglich den Eindruck eines großen Impulses, ohne tatsächlich verbindliche Mittel zu sichern.

Nach den vorliegenden Informationen beruhen die genannten Milliarden fast ausschließlich auf freiwilligen Absichtserklärungen der Unternehmen. Es ist weder klar definiert, welche Art von Produktionen tatsächlich finanziert werden sollen, noch ob die Gelder in neue fiktionale Inhalte, kreative Stoffentwicklung oder lediglich in Lizenzkäufe und Marketing fließen. Damit fehlt jegliche Planungssicherheit. Ohne verbindliche Regeln werden globale Anbieter weiterhin dort investieren, wo Steuer und Kostenstrukturen am günstigsten sind. Das bedeutet: Die deutsche Film- und Serienproduktion wird weiter ins Ausland verlagert, inländische Wertschöpfung geht verloren.

Investitionen, die als großer Zukunftsimpuls angekündigt werden, erweisen sich in Wahrheit vielfach als ohnehin geplante Ausgaben. Die tatsächliche zusätzliche Wirkung für den Standort Deutschland bleibt damit minimal. Gleichzeitig wächst der internationale Streamingmarkt dynamisch weiter. Wenn Deutschland nur auf unverbindliche Zusagen setzt, verliert es den Anschluss an Länder, die eine klare gesetzliche Sicherung von Investitionen eingeführt haben.

Für die Agenturen bedeutet dies erhebliche Risiken: Weniger heimische Produktion führt zu weniger Arbeitsmöglichkeiten, zu stärkerem Wettbewerb um einzelne Rollen und zu weiterer struktureller Unterfinanzierung kreativer Arbeit. Schauspielerinnen und Schauspieler, Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren sowie Regieteams verlieren Planungssicherheit. Die notwendige Nachwuchsförderung droht auszutrocknen. Talente werden gezwungen, ihre berufliche Zukunft in anderen Märkten zu suchen. Rechte an deutschen Inhalten drohen dauerhaft den Besitzer zu wechseln und die kreative Stimme Deutschlands verstummt im globalen Wettbewerb.

Die Kreativ- und Produktionsbranche erwartet seit Jahren ein politisches Signal, das Substanz hat. Stattdessen setzt die Regierung auf ein Modell, das im besten Fall Hoffnung erzeugt und im schlechtesten Fall als reine PR-Maßnahme verpufft. Diese Strategie ist nicht zukunftsfähig und führt bereits jetzt zu einem spürbaren Abbau von Beschäftigungsmöglichkeiten und künstlerischer Entwicklung.

Der VdA fordert die Bundesregierung und alle Beteiligten auf, die Verhandlungen nicht als abgeschlossen zu betrachten. Deutschland braucht ein verlässliches, modernes und international konkurrenzfähiges System der Investitionspflicht für audiovisuelle Inhalte. Es braucht klare Regeln für Transparenz, Nachvollziehbarkeit und echte Wertschöpfung im Inland. Nur so kann die deutsche Agentur und Produktionslandschaft überleben und eine düstere Zukunft abwenden, in der der Standort nachhaltig geschwächt wird und kulturelle Vielfalt verloren geht.“

Foto: Hennie Stander auf Unsplash